Jaran
Irgendwas stimmte mit meinem Pferd *Jaran* nicht …. Ich ritt mit ihm und das Packpferd *Rova* trabte brav ergeben hinter ihm her. Doch *Jaran* rollte mit den Augen und schnaubte immerzu. Auch drehten seine Ohren nach vorne und hinten, der Schaedel hob und senkte sich, so Unruhig hatte ich ihn noch nie erlebt.
Ich klopfte ihm zu Beruhigung an den Hals und zog sanft an seiner Maehne, daß hatte er immer gerne, aber diesesmal nutzte all das nichts, er blieb unruhig und so schob ich den Umstand auf seinen Launen die ja immer neue Blueten trieben.
Allmaehlich fing *Jaran* an zu schwitzen und als er stehen blieb sah ich wie er zitterte, leicht wankte. Also beschloss ich Rast zu machen, im nirgendwo an einer Lichtung im Wald.
Festbinden brauchte ich *Jaran* noch nie und das Packpferd blieb sowieso bei seinem Leitpferd. Ich errichtete schnell mein kleines Zelt, schlug ein Feuer und beobachtete *Jaran* sorgvoll …
Irgendwas stimmte mit meinem Pferd nicht, ich schrubbte ihm mit trockenen Gras und Heu den Schweiß herunter, denn der Nachmittag senkte sich rasch und langsam wurde es kuehl. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, daß die laengste Nacht hereinbrach.
Rasch schoss ich zwei wilde Huehner, rupfte sie und drehte sie ueber dem Feuer. Nachdem ich beide gegessen hatte, stopfte ich mir ein Pfeifchen, goß mir einen Becher Wein ein und fuellte meinen Weinschlauch fuer unterwegs wieder auf. Als ich so da sass und mein Pfeifchen und Wein genoss, legte sich *Jaran* nieder. Ich war erstaunt, dass hatte er in meiner Gegenwart noch nie gemacht. Er schnaubte und deutlich sah ich, wie seine Nuestern blaehten. Sein Atem ging unruhig und schnell. Ich machte mir Sorgen um meinen alten und treuen Kampfgefaehrten. So ging ich zu ihm hinueber und setzte mich an seinen maechtigen Koerper und streichelte seinen Hals.
Der Vollmond erhob sich hell, sehr hell und groß. Von meinen frueheren Lehrer wusste ich, dass dieses Ereignis etwas mit der Mond Konstellation zur Erde zu tun hatte und das es nicht oft vorkam. Auf jedenfall war diese Nacht sehr hell und man konnte muehelos sehen.
*Jaran* fing wieder an zu zittern und sein Koerper fuehlte sich kalt an, so erhob ich mich wieder, legte im Feuer Holz nach, holte beide dicken Decken aus *Rovas* Gepaeck und legte diese ueber *Jarans* Koerper. Fast meinte ich ein dankbares Schnauben zu hoehren.
Der Mond stieg hoeher und *Jarans* Atem wurde ruhiger.
Als ich so dasass und mein Pferd beobachtete fuehlte ich wie er auch mich fixierte und unsere tiefe Freundschaft sah man uns beide an.
Sein Atem wurde flacher …
„Jaran“ sagte ich und streichelte ihm am Hals, „komm schon alter Freund“ fuhr ich das Gespraech weiter mit meinem Pferd, „komm wieder hoch und zwick mich, wie du es so oft getan hast“
*Jaran* schnaubte, so das sich das Gras bog. Langsam kam mir die Gewissheit, welcher Nacht heute war. Tiefe Trauer ueberkam mich, aber noch lies ich mir nichts anmerken…
*Jaran* konnte nicht mehr. Ich hatte mir nie Gedanken darueber gemacht ohne mein Pferd zu sein, zu Bestaendig war er, immer an meiner Seite und nun lag er bei mir und verabschiedete sich ruhig und sanft als waere er nie anders gewesen.
Ich setzte mich naeher an seinen Kopf und *Jaran* hob seinen Schaedel und legte ihn mir in den Schoss. Ueber soviel Zuneigung und Vertrauen trieb es mir die Traenen in die Augen und ich streichelte ihn an seiner Stirn.
„Jaran“ sprach ich ihn wieder an …
Ploetzlich kam *Rova* herueber geschlichen, er senkte den Kopf und stupste *Jaran* in die Seite, er stampfte mit dem Huf zur Aufforderung …
*Jaran* wieherte schrill und *Rova* entfernte sich rasch, viel schneller als er gekommen war.
Ich kraulte *Jaran* am Ohr und mein treues Pferd schloss die Augen, sein Atem wurde ruhiger.
Der Mond war schon laengst untergegangen und das Morgenrot daemmerte als *Jaran* das letzte mal mich ansah, wieder die Augen schloss und ausatmete.
Ich saß bei meinem Pferd das mich nicht mehr begleitete.
„Jaran“, hoehrte ich mich sagen „was tust du“? „Du weißt genau das dieser duemmliche *Rova* nur einen Leitpferd folgt“! „Du kannst mich doch nicht alleine lassen“ !
Durch meine eigenen Worten wurde mir die volle Tragweite erst offenkundig. *Jaran* lebte nicht mehr und *Rova* wuerde ich keinen Meter von hier wegbekommen.
Ich stand auf und entfernte mich von *Jarans* Koerper, ich fluchte in mehreren Sprachen als ich ausser Hoehrweite von *Jaran* war, zu tief der Respekt zu meinem treuen Freund der nicht mehr lebte.
Muedigkeit ueberkam mich ploetzlich und so legte ich mich in mein Zelt die Waffen griffbereit. Schnell war ich eingeschlafen, geplagt von Alptraeumen.
Die Sonne stand schon ueber den Zenit als ich wieder erwachte. Ich holte eine Schaufel aus dem Gepaeck und begann ein Grab auszuheben. *Jaran* wollte und wuerde ich nicht einfach so liegenlassen. Am Abend war dieses Werk vollendet und ich legte mich in mein Zelt hinein und verschlief die Naht sehr unruhig. Am naechsten Morgen, sehr frueh, erwachte ich wieder und schaute aus meinen Zelt.
*Rova* stand am erloschenen Feuer und ruehrte sich nicht. Ich ging zu ihm rueber und zog probehalber an seiner Leitleine, ob er mir folgen wuerde.
*Rova* bewegte sich nicht von der Stelle.
„Verdammt“ entfuhr es mir.
*Rova* stehen lassen wollte ich nicht. Zu kostbar mein Lasttier und auch daß was er transportierte.
Als ich so in meinen kleinen Lager saß und gruebelte, griff ich aus Gewohnheit zum Wein und nahm einen tiefen Schluck davon, das fuer und wieder abwaegen, nein, zu groß die Gefahr das ein anderer Reisender hier durch kam und meint Lastpferd mit meinem Habe einfach mitnahm.
Irgendwas bewegte sich am Weg im Wald. Einen Reiter sah ich nicht, aber ein Pferd, dunkel in seiner Farbe aber nicht schwarz, braun war seine Faerbung auch nicht, eher irgendwas dazwischen. Das Pferd kam langsam naeher, als wuerde es Anschluß suchen. Kraeftig sah es aus, bullig von vorne, seine Augen weit aussen am Schaedel, sein Koerper lang und auch an seine Hinterlaeufe konnte man seine Muskeln sehen.
Das Pferd kam langsam naeher und nun sah ich auch warum. Irgendein Schmied hatte diesem Pferd falsche und zu große Hufeisen geschmiedet. Der Hengst quaelte sich bei jedem Schritt. Aber offenbar suchte er die Naehe von Menschen, denn er zeigte keine Scheu.
Ich ging auf den Hengst zu und er lies sich ohne Gegenwehr einen Strick um den Hals legen, so konnte ich ihn an einen nahen gelegenen Baum binden. Ich ueber pruefte alle vier Hufe. Die vorderen zwei schienen noch okay zu sein, das hinten links gerade noch so, aber das rechte musste sofort gewechselt werden.
So beschloß ich das Feuer wieder zu entfachen und richtig anzuheizen. Aus *Rovas* Gepaeck holte ich einen Stahlbarren und befestigte es an einen nahen umgestuerzten Baum. Das Werkzeug, einen Hammer und eine Zange holte ich ebenso wie Naegel die ich brauchen wuerde.
Der Hengst beobachtete mich und als ich mich ihm naeherte meinte ich zu fuehlen das er mir freiwillig den Huf entgegen streckte.
So loeste ich mit der Zange die Naegel des Eisen und legte es in die heisse Glut.
Im Augenwinkel beobachtete ich das Pferd, er war ein Stueck groesser als *Jaran* und *er* war kein kleines Pferd.
Er stand nur einfach da und hielt den Huf ohne Eisen in die Luft, als wuerde er darauf warten seinen Schuh wieder angezogen zu bekommen.
Ich fragte mich insgeheim was passieren wuerde wenn ich ihn losbinde.
Zuerst entfernte ich von beiden Enden des Hufeisen ein Stueck, das Singen des Stahles und des Hammers konnte man sicherlich weit hoehren. Dann stauchte ich das Hufeisen in der Laenge und Breite und hoffte es wuerde reichen und halten bis zum naechsten Schmied der mir dann das Pferd ganz neu beschlagen wuerde.
Ich naeherte mich dem Pferd und presste das noch heiße Eisen ihm an den Huf, der Gestank war fuerchterlich, musste aber sein.
Dann schlug ich das erkaltete Eisen ihm an den Huf. Beim letzten Nagel den ich einschlug, zwickte mich der Hengst in den Ruecken.
*JAR…..*! entfuhr es mir, als mir einfiel das mein Pferd es gar nicht sein konnte.
So drehte ich mich um und blickte den Hengst finster an, er nickte mit seinem Schaedel und grinste mich an.
So ging ich an den Kopf des Hengstes und klopfte es am Hals und der Hengst grunzte dass sich anhoehrte wie *Scudo*, ich kopfte nochmals an den Hals und wieder entfuhr dem Pferd ein *Scudo*.
Also gut …. *Scudo* dachte ich mir.
Flink packte ich mein Lager zusammen und verstaute alles bei *Rova*
Dann nahm ich den Sattel von *Jaran* der fuer *Scudo* etwas zu klein eingestellt war, also lockerte ich die Gurte so dass sie passten. Ich setzte mich auf *Scudo* lenkte ihn zu *Rova* und ergriff die Leitleine. *Rova* folgte dem neuen Leitpferd ohne eine Spur des Misstrauen.
Zur Festung in dem mein Weib wartete waren es noch viele Tagesritte und so hatte ich Zeit eine Weile ueber die Vergangenheit des *Jaran* und mir nachzudenken, denn *Scudo* fuehrte das Lastpferd auf dem direkten Weg nach Hause als wueste es bereits alle Wege und Pfade …

 

Eine Karte um 1138 – 1254 zur Zeit der Hohenstaufen …

Muenchner-Gsindl-Alte-Karte

 

Schloss Amerang 2013 

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Burg Kaprun 2013

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Grafenau 2013

„>4. Zeitsprung Grafenau

 

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Festschmaus Neubiberg 2012

 

 

 

 

 

 

 

Burg Kaprun 2012